Die beiden Destillate Rum und Cachaça haben vieles gemeinsam, zum Beispiel die Gewinnung aus Zuckerrohr und der ähnliche Herstellungsprozess. Trotzdem kann man die beiden Spirituosen klar voneinander trennen. Los geht es schon mit dem Produktionsort, denn die Cachaça darf nur in ihrem Ursprungsland Brasilien hergestellt werden, die ursprünglich karibische Spirituose Rum wird heute in unterschiedlichen Ländern, von Amerika über Europa, bis Asien und Australien, produziert. Zudem wird das brasilianische Destillat in Deutschland wohl nur mit dem in den 1990ern berühmt gewordenen Cocktail Caipirinha in Verbindung gebracht, der Rum wird auch in unseren Breitengraden nahezu mit allen Getränken gemixt oder einfach pur genossen. 

 

Ausgangspunkt

Cachaça wird ausschließlich aus frischem Zuckerrohrsirup gewonnen, bei der Rumproduktion hingegen kann auch auf Melasse, dem Nebenerzeugnis der Zuckerproduktion, zurückgegriffen werden.
Fermentierung
Auch bei der Fermentierung wird unterschiedlich vorgegangen. Normalerweise wird bei der Rumproduktion auf Zucht-Hefestämme zurückgegriffen, bei der Cachaça-Herstellung kommt oft die bereits im Zuckerrohr natürlich vorhandene Hefe für die Gärung zum Einsatz. Darüber hinaus kann der Maische ein Gemisch aus Zuckerrohrsaft, Maisstärke, Kleie und Mehl hinzugefügt werden, um die Fermentierung zu beschleunigen.- Ein Tabu bei der Rumherstellung.


Destillation

Nun kann also beim Gärungsprozess der Cachaça getrickst werden, bei der Destillation hingegen sieht es anders aus, denn da muss der Grenzbereich des Alkoholgehalts von mindestens 38 und maximal 48 %Vol. eingehalten werden. Der Rum darf diesen festgelegten Wert problemlos überschreiten.


Nach der Destillation

Zum Schluss darf die Cachaça noch ordentlich gezuckert werden, ganze 30 Gramm pro Liter sind erlaubt, beim Rum wird dieser Schritt ausgelassen. Die Cachaça sowie der Rum werden nach der Destillation in Stahltanks gelagert und mit Sauerstoff angereichert, damit die Fuselalkohole zersetzt werden und sich die Spirituose harmonisiert.


Veredelung

Hinterher können die zwei Destillate zur Veredelung in Holzfässern gelagert werden. Bei der Cachaça handelt es sich dabei um eine Dauer von einem Jahr bis hin zu 15 Jahren, Rum reift zwischen drei und 40 Jahren. Für die Lagerung werden bei beiden meist Eichenfässer genutzt, in denen zuvor vielleicht auch schon Whisky oder Cognac gelagert wurde. Diese verleihen der Spirituose den holzigen Geschmack und den goldbraunen Ton.


Schon gewusst?

In Brasilien wird die National-Spirituose Cachaça natürlich nicht nur als Caipirinha-Zutat sondern in Form von verschiedensten Cocktails angeboten. Und für ihr „Feuerwasser“ haben die Brasilianer- je nach Situation -verschiedenste Bezeichnungen, beispielsweise „Herzöffner“, parat.

Wurde der Rum nur in den obligatorischen Stahlfässern gelagert, spricht man von weißem, ungereiftem Rum, wurde er in Holzfässern veredelt, von braunem, gereiftem Rum.

Und: Brauner Rum ist nicht gleich brauner Rum! Manche Anbieter setzen dem weißen, ungereiften Rum Zuckercouleur zu, um dem Destillat Farbe zu verpassen oder ihn gar hochwertiger erscheinen zu lassen! Auch gibt es Fälle, bei denen wiederum dem braunen Rum die Farbe mit Aktivkohle entzogen wird.